Was ist Spiritualität?

Was ist Spiritualität?

Für die einen ist es unzeitgemäßer Schwachsinn, basierend auf der Leichtgläubigkeit von Menschen, die ihren Glauben nicht in anderen Konzepten wie den traditionellen Religionen finden konnten und die sich nun in letzter Hoffnung, dass all die Schatten dieser Welt doch einen höheren Sinn haben, an ein neues Glaubenskonzept klammern.

Für manch andere ist es der direkte Weg in ein erfülltes Leben. Sie versuchen diesem Weg zu folgen, indem sie sich pflanzlich ernähren, Yoga machen, meditieren, sich möglichst von allen unbewussten Aktivitäten absagen und ihr Leben so bewusst wie nur möglich gestalten, um immer weiter zu erwachen, bis sie als erleuchtetes Wesen zurück in ihr inneres Paradies kehren.


Ich gehörte die meiste Zeit dieses Lebens der ersten Glaubens-Gruppe an. Dann wurde der Druck meines Leids hoch genug, dass ich zur anderen Seite wechselte. Und schließlich, vor nicht allzu langer Zeit, habe ich mich von fast allen Doktrinen befreit und meine heutige Sicht auf die Spiritualität in einem kleinen Gedicht zum Ausdruck gebracht.

Dieses Gedicht aus „Von einer reisenden Seele – Über den Sinn des Lebens”, dem ersten Gedichtband von Lioba und mir, möchte ich heute mit euch teilen.

Fabian Wollschläger und Lioba Geerling
Meine Dualseele Lioba & Ich

Was ist Spiritualität?



aus dem gestein deines körpers

unter dem druck deines geistes

schimmert der kristall des all einen lebens

durch das licht deines reinen bewusstseins

das sind die ebenen der drei

von grob zu feinstofflichkeit

zur einzigen wirklichkeit

gedanken und gefühle

nur wirkungen der vergangenheit

sie gegenwärtig zu durchdringen

in deiner tiefsten wesenheit

dies ist deine heilige kraft

durch die sich der schöpfer in seiner schöpfung erfährt

der immer zu sich führt

ein weg

wie könntest du ihn je verlassen

Oftmals reduziert sich die transzendente Wirkung von etwas Künstlerischem, wenn wir es analysieren, statt es aus unserem unbegrenzten Sein nur zu betrachten. Auch die Poesie ist davon betroffen. Trotzdem können wir, wenn wir eine Blume sehr vorsichtig anfassen und ihre Blüten nach und nach langsam in aller Liebe öffnen, unbeschadet bis zu ihrem Kern durchdringen, um uns dann ihrer reinsten Form hinzugeben.

Das Gedicht „Was ist Spiritualität?” besteht inhaltlich aus drei Hauptteilen. Der erste Teil umfasst die ersten sieben Verse:

aus dem gestein deines körpers

unter dem druck deines geistes

schimmert der kristall des all einen lebens

durch das licht deines reinen bewusstseins

das sind die ebenen der drei

von grob zu feinstofflichkeit

zur einzigen wirklichkeit

Innerhalb dieser Zeilen verbirgt sich eine erste Analogie aus drei Ebenen.

Körper, Geist und das all eine Leben entsprechen der Grobstofflichkeit, der Feinstofflichkeit und der einzigen Wirklichkeit. Was traditionelle Weisheitslehren bereits vor Jahrtausenden offenbarten, wurde auch durch die Wissenschaft im 20. Jahrhundert bestätigt.


Alles ist Energie.


Der sichtbare Unterschied, den wir zum Beispiel zwischen uns und einem anderen materiellen Körper wahrnehmen, entsteht lediglich durch unterschiedliche energetische Zustände. Die Energie ist anders angeordnet. So entstehen unendliche verschiedene Formen, die wir in ihrer gröbsten Anordnung als Materie wahrnehmen. Der Geist, der in seiner Wirkung unsere Gedanken, Gefühle und Überzeugungen produziert, wird als feinstoffliche Energie bezeichnet. Diese beiden Ebenen der Materie und des Geistes werden wiederum von der Ebene der Energie als solches umfasst. Diese allumfassende Energie ist vorstellbar wie das Wasser, während alle Formen von Materie und Geist Wassertropfen sind, die in Wechselwirkung mit anderen energetischen Formen Veränderungen auch in ihren eigenen Formen erfahren. Alle drei Ebenen, die ich in anderen Zusammenhängen aus dem Ursprung der Hermetik begrifflich auch als materiell, mental und spirituell einordne, sind untrennbar miteinander verbunden. Durch jeden Körper, durch jeden Gedanken und jedes Gefühl drückt sich das all eine Leben aus, das in anderen geistig-spirituellen Konzepten zum Beispiel auch Gott genannt wird.

Die ersten drei Zeilen enthalten neben dieser Umschreibung der drei Analogie-Ebenen zudem den Sinn von Körper und Geist. In ihrer Wechselwirkung miteinander ermöglichen sie es uns, uns selbst als Ausdruck des all einen Lebens zu erfahren. Das ist die höchste Erkenntnis und damit der höchste Bewusstseinszustand, den wir erreichen können. Wie wir diese Erkenntnis erreichen, offenbart die vierte Zeile:


durch das licht des reinen Bewusstseins

Das Licht dient als Metapher für Aufmerksamkeit und das reine Bewusstseins ist der innere Raum unserer vorurteilslosen Beobachtung. Der unendliche Raum des Seins, befreit von allen Wänden aus begrenzenden Gedanken, Gefühlen und Glaubensmustern.

Näheres dazu steht im zweiten Teil des Gedichts geschrieben:


gedanken und gefühle

nur wirkungen der vergangenheit

sie gegenwärtig zu durchdringen

in deiner tiefsten wesenheit

dies ist deine heilige kraft

durch die sich der schöpfer in seiner schöpfung erfährt


Die Wirkungen unseres Geistes, die wir als Gedanken und Gefühle erfahren, sind im Zustand der Un- bzw. Unterbewusstheit nur ein Produkt unserer vergangenen Erfahrungen. Wir alle werden durch unsere Vergangenheit, besonders durch unsere Kindheit, unbemerkt konditioniert. Unser Geist funktioniert so, dass wir mit jeder Erfahrung aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen und aus dieser Wechselbeziehung heraus unsere Gegenwart erschaffen. Diese Fähigkeit ist in bewusstem Einsatz eine Gabe. Sie lies uns, als selbsternannte Krönung der Schöpfung, den Thron unserer Erde besteigen. Doch im Zustand der Unbewusstheit versklavt sie uns. Beherrschen wir unseren Geist nicht, so beherrscht er uns, ohne dass wir es bemerken. So entstehen Muster wie, dass wir Tiere, deren Leben den gleichen Wert hat, wie unser Leben, trotzdem töten und sogar essen. Dass wir Kriege mit Millionen von Menschenopfern führen. Dass wir unsere Erde zerstören und uns selbst. Aus einer unkonditionierten Betrachtung heraus wirken diese Umstände wie eine unerklärliche Parallelwelt, in der ein unangetastetes Leben, wie das eines kleinen Kindes, das fernab unserer modernen Gesellschaft groß werden würde, gar nicht zwischen der Wirklichkeit und einem Alptraum unterscheiden könnte. Und doch ist dies unsere Wirklichkeit, weil wir eine konditionierte Vergangenheit tagtäglich unbemerkt neu kreieren und uns so immer weiter in ihr verlieren.

sie gegenwärtig zu durchdringen

in deiner tiefsten wesenheit

Diese Verse beschreiben den Ausweg aus dem geistigen Labyrinth, in dem wir uns verirrt haben. Wir müssen zurück in die Gegenwart kehren. „Lebe den Moment” hat den Charakter einer Binsenweisheit erhalten, birgt jedoch weit mehr als das. Wenn wir im Moment leben und unser Leben bewusst gestalten, statt es von unserer unterbewussten, meist selbstzerstörerischen Programmierung gestalten zu lassen, erhalten wir unseren freien Willen zurück und können unsere Schöpferkraft, die uns allen innewohnt, zum Wohle von uns damit zum Wohle aller einsetzen.

Wir haben niemals die Verbindung zu unserem Innersten verloren, wir sind uns dieser Verbindung nur nicht mehr bewusst, weil der unmittelbare Blick auf unser wahres Wesen von geistigen Blockaden überlagert wird. Diese geistigen Blockaden gilt es zu entfernen, um uns selbst zu erkennen und fortan unsere Energie wieder für, statt gegen unseren Willen einzusetzen. Wie wir das schaffen, offenbart ein einziges Wort:

gegenwärtig

Die Gegenwart ist die heilende Mitte zwischen den zwei Wunden des Zeikonstrukts. Die Destruktivität der geistigen Mechanismen besitzt in der Gegenwart keine lebenserhaltende Substanz. Geben wir unsere Aufmerksamkeit dem Moment hin, existiert kein geistiger Filter mehr, der die Wahrnehmung verzerrt. Somit wird uns in der einzigen Gegenwärtigkeit ein Blick auf die Wahrheit gewährt. Dieser Blick bedarf nur einen einzigen Moment und keinerlei äußerer Anstrengung, doch er muss zurückentwickelt werden. Praktiken, die dabei unterstützend wirken, sind etwa das Meditieren, das bewusste Atmen oder die Stille.

So erfahren wir die im Gedicht genannte „heilige kraft, durch die sich der schöpfer in seiner schöpfung erfährt”. Der Unterschied zwischen Schöpfer und Schöpfung liegt nicht in ihrem Wesen, sondern in ihrem Seins-Zustand. Der Schöpfer ist aktiv, die Schöpfung ist passiv. Beides ist eines und untrennbar miteinander verbunden. Im Zustand gegenwärtiger Bewusstheit sind wir aktiv. Im Zustand unbewusster materiell-geistiger Aktivität durch die Leitung vergangener Konditionierungen sind wir passiv. Trotzdem sind wir in beiden Zuständen schöpferisch tätig. Deswegen heißt es auch in den letzten Zeilen:

ein weg

der immer zu sich führt

wie könntest du ihn je verlassen

Die Schöpfung ist. Immer und überall. Sie entfaltet sich. Eine der vielen Formen, durch die sie sich entfaltet, sind wir. Der Mensch. Was den Menschen hingegen sehr wohl von den anderen Formen des uns bekannten, sichtbaren Lebens unterscheidet, ist seine Fähigkeit, alle drei Ebenen des Seins bewusst miteinander zu verbinden und sein geistiges und materielles Handeln so mit seinem spirituellen Sein zu erfüllen. Wir sind imstande, uns über den materiellen Lebenssinn des Überlebens zu erheben und den tieferen Sinn zu erfüllen, unser dimensionales Dasein mit Bewusstsein zu füllen. Wir sind die Schöpfung, die sich bewusst als Schöpfer, und dadurch die höchste Verwirklichung der Entfaltung, bewusst erfahren kann. Diese Entfaltung ist metaphorisch ein Weg. Alles, was wir denken, fühlen und tun, bringt uns auf diesem Weg voran. Die Wege mögen mit unterschiedlichen Steinen gepflastert sein und die Geschwindigkeit, in der wir auf ihnen wandern, mag sich unterscheiden, doch im Grunde gehen wir alle den gleichen Weg und können nicht von ihm abkommen. Letztlich wird er jeden von uns zu uns zurückführen.

Und so ist Spiritualität für mich nichts mehr, was mit Geistesübungen, einer Lehre oder einer Art des Lebens zu tun hat. Alles, was wir geistig und materiell erfahren, ist spirituell durchdrungen.


Das bedeutet, was immer du auch erfahren hast und erfahren wirst; Glück, Vertrauen, Leichtigkeit und Liebe ist immer in und überall um dich.

Ich danke dir von ganzem Herzen.


Hier findest du das Video zum Artikel:

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