Was Leid ist und wie du es lösen kannst

Was Leid ist und wie du es lösen kannst


Stell dir vor, du wachst jeden Morgen voller Freude auf. Du bist befreit von allen Ängsten, von all dem Gewicht deiner Vergangenheit und von all den Erwartungen deiner Zukunft. Das einzige, was du fühlst, ist die Leichtigkeit des Lebens, die dich den ganzen Tag begleitet.

Diese Einstellung zu sich selbst und seinem Leben kann jeder Mensch entwickeln. Unabhängig davon, welche Opfer er in der Vergangenheit erfahren hat oder welchen Kampf er in der Gegenwart führt. Zu leiden ist ein unnatürlicher Zustand, deswegen ist es jedem möglich, sich aus eigener Kraft von seinem Leid zu lösen und in seinen natürlichen Zustand der Liebe zurückzukehren.


Was ist Leid?


Leid ist ein Bewusstseinszustand. Aus diesem Bewusstseinszustand entwickeln sich negative Gefühle, doch im Gegensatz zu einem Gefühl, ist ein Bewusstseinszustand nicht Wirkung, sondern Ursache.

Gefühle entstehen aus der Wechselwirkung von der Wahrnehmung unserer Innen- und Außenwelt zusammen mit unseren Überzeugungen über unsere innere und äußere Welt. Ein Beispiel wäre, wenn ich von anderen ausgelacht werde. Ich nehme das Lachen wahr und mein Unterbewusstsein, welches ununterbrochen die Objekte meiner Wahrnehmung bewertet, bewertet es aufgrund vergangener Erfahrungen als ein Auslachen. Das negative Gefühl, was sich daraus entwickelt, dient meinem Wachbewusstsein als Rückmeldung: „Achtung! Du wirst ausgelacht. Das ist schlecht. Tu etwas dagegen.”

Gefühle entstehen also immer aus der gleichen Reiz-Reaktiosnkette. Vereinfacht lautet diese:


Es entsteht ein Reiz.

Wir nehmen den Reiz wahr.

Wir bewerten unsere Wahrnehmung.

Wir reagieren innerlich durch Gedanken und Gefühle, die uns unsere Bewertung spiegeln.

Und schlussendlich agieren wir äußerlich.

Die entscheidende Stelle in dieser Kette ist die Bewertung. Diese Bewertung wird durch unseren Bewusstseinszustand bestimmt, der sich aus der Summe all unserer Glaubenssätze zusammensetzt.

Glückliche Menschen, die sehr positiv durch das Leben gehen, tragen einen Bewusstseinszustand der Liebe in sich. Liebevolle Glaubenssätze dominieren ihr Unterbewusstsein. Wohingegen sehr unglückliche Menschen von leidvollen Glaubenssätzen regelrecht eingenommen werden. Deswegen ist „Positives Denken” oftmals ineffektiv. Und deswegen halten die positive Veränderungen nach einem Buch, einem Seminar oder anderen Selbsthilfe-Inhalten meist nur kurz an, bevor der Alltag uns all unsere Erkenntnisse vergessen lässt. Gedanken und Gefühle sind geistige Symptome. Für eine nachhaltige Veränderung müssen wir die Ursache verändern. Und die Ursache für unsere Gedanken und Gefühle ist unser Bewusstseinszustand. Da dieser uns jedoch weitestgehend unbewusst ist, sind die wenigsten Menschen im Stande, ihr Leid eigenständig zu beenden.

Wie entsteht Leid?


Aus spiritueller Betrachtung ist jede Form von Leid ein Mangel an Liebe, der sich aus dem Schatten unseres Unterbewusstseins in das Licht unseres Bewusstseins bewegt, um erlöst zu werden.

Dieses Leid entsteht immer durch einen Verlust von etwas, mit dem wir uns identifiziert haben. Das Objekt der Identifikation kann materiell sein, wie Geld, unser Haus oder auch unsere körperliche Gesundheit. Genauso kann der Verlust jedoch auch immateriell sein, wie Zeit, eine Beziehung oder einen anderen Status, den wir uns erarbeitet haben. Unser Geist ist in der Lage, sich mit allem zu identifizieren, was wir uns vorstellen können. Dabei ist es für die Entstehung von Leid irrelevant, welches Objekt wir verlieren. Relevant ist einzig die Bedeutung, die wir dem Objekt des Verlusts beigemessen haben. So kann ein Kleinkind, das sein Kuscheltier verliert, mehr leiden, als ein erwachender – ja, nicht erwachsenener, sondern erwachender Mensch – der all seine materiellen Besitztümer verliert.

Dieses Phänomen entsteht, weil wir nicht direkt wegen des Verlusts eines Objekts leiden, sondern weil das verlorene Objekt eine Mauer bildete, die uns die Sicht auf unseren Mangel an Selbstliebe versperrt hat. Fällt diese Mauer, tritt dieser Mangel hervor. Die innere Krankheit kehrt sich nach außen. Der Schmerz ist ein daher nicht als etwas Negatives, sondern als liebevolles Warnsignal zu verstehen, um uns auf unsere Krankheit aufmerksam zu machen und sie so überhaupt erst heilen zu können.

Zudem versperrt eine Mauer nicht nur die Sicht, sondern dient auch als Schutz. Diese Erkenntnis ist essentiell für die Erlösung des Ego. Das Ego ist nicht böse, so wie es heutzutage häufig verstanden wird. Es dient ursächlich dem Überleben. All seine Maßnahmen, wie auch die Identifikation, dienen deswegen im weitesten Sinne dem Schutz des Überlebens. Wenn wir seine Schutzmauern auflösen wollen, weil sie nicht mehr benötigt werden, dann müssen wir mit unserem Ego, das ein Teil von uns ist, Frieden schließen, statt gegen unser Ego in den Krieg zu ziehen. Wer gegen das Ego kämpft, kämpft gegen sich selbst und kann nur verlieren. Das ist der Grund, warum viele, durchaus sehr bewusste Menschen, die dem Pfad der Selbsterkenntnis folgen, trotzdem immer wieder über ihr Ego stolpern und sich deswegen nur langsam fortbewegen.

Leid ist irreal


Um uns von unserem Leid zu lösen, benötigen wir nach dem Verständnis, was Leid ist und wie es entsteht, die Erkenntnis, dass Leid keineswegs „normal” ist oder einfach in jedem Leben gegeben sei. Diese selbstentmächtigende Ansicht, eben dass es normal sei, nicht immer glücklich sein zu können, entsteht durch das Leid-Bewusstsein selbst. In einem solchen Bewusstsein dominieren negative Glaubenssätze wie „Das Leben ist hart.”, „Ich kann dies oder das aus diesen oder jenen Gründen nicht erreichen.” oder „Ich habe dies oder das aus diesen oder jenen Gründen nicht verdient.” Heutzutage leiden fast alle Erwachsenen unter einem Leidbewusstsein, weil uns von Kleinkindalter an Grenzen suggeriert werden und eine objektbezogene Identifikation konditioniert wird.

Doch geistiges Leid muss kein Bestandteil unseres Lebens sein, weil wir es einzig und allein selbst erschaffen. Nichts und niemand hat uns je Leid zugefügt. Leid ist eine innere Reaktion, beruhend auf einer subjektiven Bewertung. Es existiert in der objektiven Welt nicht. Es ist jenseits unseres Geistes irreal und wird erst in einem Leid-Bewusstsein real.


Befreien wir unser Bewusstsein von unserem Leid, befreien wir also unser gesamtes Leben von Leid.

Wie lösen wir uns von unserem Leid?


Eine universelle Heilung von Leid ist tatsächlich möglich, weil sich jedes Leid, unabhängig von seinem oberflächlichen Auslöser und seinem individuellen Ausdruck, den gleichen Ursprung teilt. Die langfristige Lösung von Leid baut auf all den vorangegangen Erkenntnissen auf. Wenn Leid ein Ausdruck eines Liebesmangels ist, den wir uns selbst zufügen, dann kann dieser Mangel nur durch ein Mittel geheilt werden –

Selbstliebe

In uns allen sprudelt eine unerschöpfliche Quelle von Selbstliebe. Unsere Aufgabe besteht darin, unsere konditionierten Glaubenssätze des Leids aufzulösen, um die Quelle darunter wieder freizulegen, sodass ihr Wasser, das uns Liebe spendet, ununterbrochen durch uns fließt.

Selbstliebe ist die bedingungslose Annahme unserer selbst. Alle Menschen, die ich in meinem Leben kennengelernt habe, einschließlich mir, tragen einen mehr oder weniger tiefen Mangel an Selbstliebe in sich. Wir nehmen uns nicht bedingungslos an, sondern stellen Bedingungen, um uns annehmen zu können. „Ich muss so aussehen. Ich muss diese Schule besuchen,. Ich muss diese Noten schreiben. Ich muss diesen Beruf wählen. Ich muss diesen Lebensweg gehen. Und ich muss mich in dieser Situation so verhalten.” Aufgrund unserer konditionierten Glaubenssätze verurteilen wir uns als unzureichend. Die meisten Menschen verbringen deswegen ihr gesamtes Leben damit, zu versuchen, vollkommen zu werden und wählen hierfür verschiedene Wege. Doch mit welchen Noten wir auch die Schule verlassen, wie viel Geld wir auch verdienen, wie beliebt wir auch sind und wie schön unser Leben von außen auch zu sein scheint – das Gefühl der Unzufriedenheit kann kurzzeitig verschwinden, doch es kehrt immer wieder.

Vollkommenheit ist nur möglich, indem wir erkennen, dass wir vollkommen sind. Durch diese Erkenntnis können wir uns bedingungslos annehmen. Dann lieben wir uns selbst. Und dann sind wir befreit von Leid. Da jedoch der Glaube, dass wir unvollkommen seien, so tief im Beton unseres Unterbewusstseins buchstäblich verankert ist, bedarf es der Erkenntnis unserer Vollkommenheit immer und immer wieder, sodass sich unsere Glaubenssätze und damit unser Leid-Bewusstsein schrittweise lösen und sich unser natürliches Bewusstsein der Liebe befreien kann.

Dieser Erkenntnis erreichen wir, indem wir die unterbewusste Bewertung unserer Wahrnehmung bewusst unterbrechen und umkehren. In meinen Büchern nenne ich diese Methode Polarisation.

In unserer materiell-geistigen Welt besitzt alles, was wir bewerten (und aufgrund unserer geistigen Funktionsweise ist das alles, was unser Geist wahrnimmt), eben weil wir es bewerten, zwei Seiten. Das bedeutet, alles, was wir negativ bewerten, besitzt ebenso etwas, das wir positiv bewerten können. So schlimm der Verlust eines Objekts, mit dem wir uns identifiziert haben, auch scheinen mag – letztlich birgt es immer mindestens ein Gutes. Der Verlust legt uns die Sicht auf unser wahres Selbst frei. Je tiefer das Leid ist, desto höher ist das Potenzial, unseren starren Blick auf die materiell-geistige Welt zu weiten und so unser wahres Selbst zu erkennen. Deswegen beginnen die meisten Menschen erstmalig sich ihrer spirituellen, inneren Ebene zu widmen, nachdem sie in ihre tiefste Lebenskrise gefallen sind.


Suche das Gute im Schlechten. Mit der stetigen Anwendung dieses Umkehrprozesses gehen wir meiner Erfahrung nach die schnellsten Schritte auf dem Weg von der materiell-geistigen zur spirituellen Ebene, zur Erkenntnis unseres wahren Selbst. So erreichen wir einen vollkommen bzw. vollkommenen, neuen Bewusstseinszustand. Folgen wir dem Weg der Selbsterkenntnis, erreichen wir irgendwann einen Punkt, in dem schwer zu verarbeitende Ereignisse noch vorkommen können, doch wir können sie dankend annehmen und Frieden mit ihnen schließen. In diesem Bewusstsein wird uns kein Leid mehr begegnen, denn wir erschaffen es uns nicht mehr. Im Leid-Bewusstsein erschaffen wir uns Leid, um zu uns zurückzufinden. In einem Bewusstsein der Liebe benötigen wir das Leid nicht mehr, um zu uns zurückzufinden, weil wir bereits unser Selbst sind.

Anfangs können wir diesen Zustand nicht aufrechterhalten, denn wir leiten damit den Selbstheilungsprozess einer Wunde ein, die wir über Jahrzehnte erschaffen haben. Doch wenn wir unser Selbst wieder verlassen und uns in der Materie oder unserem Geist verlieren, werden wir auch wieder leiden, um zu uns zurückzufinden. Leid wird also tatsächlich zu einer Funktion, die etwas sehr Positives birgt und zu einem essentiellen Bestandteil für den Weg in ein erfülltes Leben wird.


Wenn du diese Erkenntnis gewinnst und praktisch umsetzt, erwartet dich irgendwann vielleicht einmal das, was in vielen Weisheitslehren als Erleuchtung bezeichnet wird. Das Ende allen Leids und der Anfang eines Lebens, schöner, als wir es uns vorstellen können.



Ich danke dir von ganzem Herzen.


Hier kannst du dir mein Video zu „ Was Leid ist und wie du es lösen kannst“ ansehen:

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